Kammerchor Cantemus!

Singen Sie mit!

Felix Mendelssohn Bartholdy "Elias"

Aufführungstermine:

  • 20.10.2018 19:00 Uhr Mendelssohn Bartholdys "Elias" Ettenheim, St. Bartholomäus Kirche
  • 21.10.2018 17:00 Uhr Mendelssohn Bartholdys "Elias" Gundelfingen, Kath. Kirche "Bruder Klaus"

 

Konzert in Ettenheim (Fotos Gisela Bosch):

 

 Konzert in Gundelfingen (Fotos Uwe Murmann und Gisela Bosch):

 

Felix Mendelssohn Bartholdys "Elias"

Fotogestaltung: http://www.dmludwig.de/Fotogestaltung: http://www.dmludwig.de/

"Elias" entstand ein Jahr vor dem frühen Tod des Komponisten und zeichnet den Glaubensweg eines Individuums mit musikalischer Dramatik, aufwühlenden Chören und bewegenden Arien.

Felix Mendelssohn Bartholdy war fasziniert von der kämpferischen Gestalt des Propheten. Der Komponist schuf 1844 bis 46 sein Oratorium nach Zitaten aus dem Alten Testament, die als biblisches Drama gestaltet sind und das Geschehen durch Psalmworte oder Auszüge aus den Prophetenbüchern kommentieren.

Ausführende:

Leitung: Bernhard Schmidt
Kammerchor Cantemus! e. V. Gundelfingen
Kirchenchor "Heilig Kreuz", Münchweier

Solisten:

Chorsoli:

  • Anja Bittner, Sopran
  • Nadine Joseph, Alt
  • Tiago Oliveira, Tenor
  • Klaus Hörner, Bass I
  • Michael Krieg, Bass II

Und Orchester


Von Klage, Widerstand  und Verheißung

Was mag 1846  in den Zuhörern des alljährlichen Music Festivals von Birmingham vorgegangen sein, als sie, ein großes Oratorium mit bunter Ouvertüre à la Sommernachtstraum erwartend, von ihrem „jungen Händel“ Mendelssohn Bartholdy ein so ganz anderes Werk vorgestellt bekamen? Der Bass - Solist erhebt sich, das Orchester schweigt, nur die Bläser setzen an. „Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn“. Eine Androhung, verkündet von dem lebendigen Gott Israels durch seinen Propheten Elias.
Birmingham, schon damals eines der Zentren der industriellen Revolution, war weniger mit Dürre vertraut als mit Arbeitslosigkeit, Kinderarbeit und hoher Sterblichkeitsrate. „Die jungen Kinder heischen Brot“- „und da ist niemand, der es ihnen breche“.
Beten hilft wenig, denn „da ist niemand, der sie tröste“. Mit dieser seelischen Ausweglosigkeit kann sich auch der heutige Zuhörer identifizieren. „Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider“. Es bedarf, damals wie heute, einer anderen inneren Haltung, um die Glaubenskrise zu bewältigen. 
In der Dramatik und Gestaltung dieser Glaubenskrise ist die Faszination des Oratoriums begründet.

Es beschäftigt sich mit einem Propheten, der sich, trotz aller Höhen und Tiefen seiner Existenz, auf seinen Gott verlässt. Eine unbequeme Persönlichkeit, die sich kämpferisch, sogar spöttisch gibt.
ELIAS ist überwiegend auf Worte des Alten Testaments gegründet, hinzu kommen Psalmworte und Auszüge aus den Prophetenbüchern. Komponiert ist es für England mit seiner Händel-Tradition. Evangelist und Erzähler fehlen, dafür entfaltet sich Szene auf Szene.

Der Prophet begibt sich auf Weisung eines Engels an den Bach Crith und lässt sich dort als Eremit von Raben ernähren, weitere Engel beschützen ihn. „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“. Mit dieser Zusage und der Unterstützung seines gütigen Gottes gelingt es Elias, drei Wunder zu vollbringen. Im letzten erfüllt sich die Bitte um Regen. „Dank sei dir, Gott, du tränkest das durstge Land“ beschließt den ersten Teil.

Der zweite Teil beginnt mit einem Aufruf und einer Zusage. „Höre, Israel“! und „Fürchte dich nicht, spricht unser Gott, fürchte dich nicht, ich bin mit dir“. Elias legt sich mit König Ahab und der Königin an, verurteilt den Baalsglauben der Herrscher und kündigt die Strafe seines Gottes an.  Die Herrschenden instrumentalisieren das Volk und stacheln es gegen Elias auf. Er wird zum Tode verurteilt, gerät an seinen seelischen Tiefpunkt und zieht sich in die Wüste zurück.

Aber Engel begleiten ihn. „Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von welchen dir Hilfe kommt“.  Elias ist skeptisch, klagt sogar Gott selbst an. Aber Gott erbarmt sich seiner. Er zeigt sich ihm, erscheint im „sanften Säuseln“, das selbst die Engel zu überraschen scheint. „Heilig ist Gott der Herr“ rufen sie einander zu. Elias, so die Aufforderung, möge in sein Land zurückkehren und es endlich bekehren. Ein letztes Mal beugt sich der Prophet Gottes Weisung. „Ich gehe hinab in der Kraft des Herrn“.

Dann der Schluss des Oratoriums „Und der Prophet Elias brach hervor wie ein Feuer, und sein Wort brannte wie eine Fackel“, die Mächtigen sind gestürzt, ein feuriger Wagen kommt und
Elias´ Himmelfahrt beginnt. Am Ende leuchtet die Botschaft der Evangelien. „Aber einer erwacht um Mitternacht“, so die Verheißung nach Jesaja.  

Mendelssohn erwähnt den Namen des Verheißenen, Jesus Christus, nicht. „Ob Gott ist, was Gott sei? Ob ein Theil unserer Selbst ewig sei und, nachdem der andere Teil vergangen, fortlebe?...All das weiß ich nicht...Allein ich weiß, dass es in mir und in Dir und in allen Menschen einen ewigen Hang zu allem Guten, Wahren und Rechten und ein Gewissen gibt, welches uns mahnt und leitet, wenn wir uns davon entfernen...Vor einigen tausend Jahren war die jüdische Form die herrschende, dann die heidnische, jetzt ist es die christliche“. (Auszug aus einem Brief Mendelssohns an seine Tochter Fanny).

ELIAS ist ein Oratorium, das in seinen Chören vielfältige Stimmungen des Volkes und der Baalspriester aufnimmt. Die handelnden Personen selbst sorgen für szenische Verdichtung. So geschieht es, dass Interpreten und Zuhörer nah am Geschehen sind.
Man fiebert mit, ergreift Partei  und lässt sich von der Botschaft des schlichten Chorals „Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig werden“ tragen.

Ein Jahr lang beschäftigten sich beide Chöre sowohl musikalisch als auch inhaltlich mit dem Oratorium. Zusätzliche Stimmproben und Stimmbildung, aber auch theologische Deutung und Erklärungen durch Bernhard Schmidt, den Chorleiter, und Professor Dr. Sieger verhalfen dazu, immer tiefer in das Werk einzudringen.

„Ich hatte mir eigentlich beim Elias einen rechten durch und durch Propheten gedacht, wie wir ihn etwa heut´zu Tage wieder brauchen könnten, stark, eifrig, auch wohl bös´und zornig und finster, im Gegensatz zum Hofgesindel und Volksgesindel, und fast zur ganzen Welt im Gegensatz und doch getragen wie von Engelsflügeln“. (Auszug aus einem Brief an Mendelssohns theologischen Berater Julius Schubring).

Text: Annette Preuß

 

Pressestimmen:

Gundelfinger Nachrichten vom 25.10.2018 "Der Elias in Gundelfingen" - Artikel von Herbert Geisler
Von Haus zu Haus vom 25.10.2018 "Zweieinhalb Stunden Kulturgenuss" - Artikel von Herbert Geisler
Badische Zeitung - Ettenheim vom 23.10.2018 "Ein kraftvoller Elias" - Artikel von Michael Masson
Badische Zeitung - Gundelfingen vom 23.10.2018 "Prophet als ganz normaler Mensch" - Artikel von Andrea Steinhart 

Zum Herunterladen:

 

Einführungssoirée am 10. Oktober 2018 mit Schülern des Albert-Schweitzer-Gymnasiums der Kursstufe 2 (Kursleitung Anne Borkowski). Es wurden verschiedene Chöre und Szenen aus dem „Elias“ gesungen und erläutert von Schülern und Chorleiter Bernhard Schmidt. Unterstützt von Simon Albrecht am Klavier und als "Elias".

Presse:
Gundelfinger Nachrichten vom 18.10.2018: Mendelssohn Bartholdys "Elias"
Von Haus zu Haus vom 18.10.2018: "Unbequem, kämpferisch, spöttisch - Elias!"

 

Presseankündigungen:

Badische Zeitung-Ettenheim vom 19. Oktober 2018: Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger
Badische Zeitung vom 11. Oktober 2018: Packende Dramatik und Gottvertrauen
GundelfingenMagazin 07-2018: Von Klage, Widerstand und Verheißung
Von Haus zu Haus vom 1. März 2018: Großes Oratorium für Herbst geplant
Badische Zeitung vom 21. Februar 2018: Cantemus-Chor probt für "Elias" im Oktober